|
A) Hinweis auf Film mit englischen
Untertiteln zur Situation der Adivasi im Koraput-Distrikt in
Orissa
Filmplakat hier (Dateinamen
anklicken)
dokumente\love_poster.jpg
Weitere Infos:
Of Land, Labour and Love
Duration : 65 minutes/Language: Parja and
Kondha, with English Subtitles
This is the story of a tribal community in
the block of Dasmantpur in South Orissa. Dasmantpur is located
in the fifth schedule district of Koraput in Southern
Orissa. Its hilly, upland terrain gives rise to several
perennial and seasonal streams that allow for a rich
diversity of crops, and vegetation. Add to this, the bountiful
rainfall characteristic of the region. And yet, poverty, and
hunger stare down the tribal communities of Dasmantpur for major
parts of the year. The fragile eco-system on the undulating
upland terrain has been destroyed by the felling of trees, and
denudation of the forests. This, coupled with government
neglect, and years of exploitation has affected the wellbeing of
the tribal community severely. This process has affected most
of the tribal districts in Southern Orissa, leading to chronic
malnutrition and ill-health, symptomised by yearly epidemics and
high rates of distress migration. On the other hand, the
resilience and courage of the tribal people of Koraput have
helped them survive against the worst odds. This is a film
about the efforts of Ama Sangathan, a federation of
tribal women's organisations and the tribal people of Dasmantpur
to push back the limits of human endeavor, and overcome the
crippling poverty of their lives. But this is just a beginning
and the countervailing forces are still strong?
SCREENINGS
14th June, 4 p.m. to 5.30 p.m.
at Museum für Völkerkunde/ Anthropological Museum, Heidelberg.
22nd June: 8:30 p.m. in the
context of the GLOBALE FILM FESTIVAL at Capitol Kino, Marburg .
23rd June: 8:30 p.m. in the
context of the GLOBALE FILM FESTIVAL at Jokus Kino, Giessen.
24th June: 7p.m. at Martin Luther
University, Halle.
B) Soeben erschienen:
Rourkela und die Folgen
50 Jahre industrieller Aufbau und
soziale Verantwortung in der deutsch-indischen Zusammenarbeit
herausgegeben von der
Adivasi-Koordination in Deutschland e.V.
200 Seiten mit 12 Abbildungen
genauere Informationen
hier
Ergänzende Bilder zum Rourkela-Buch
hier
Information in Website eingestellt:
November
2007
C) 50 Jahre Stahlproduktion: Was
passierte mit den Adivasi von Rourkela? Materialsammlung zum
bekanntesten Projekt der deutsch-indischen
Entwicklungszusammenarbeit erschienen - Information in Website
eingestellt: Dezember 2006
D) Die Kolhan-Region (Jharkhand) im
Widerstand gegen neue Industrieprojekte - Informationen in
Website eingestellt: Dezember 2006
E) "Rourkela und die Folgen: 50 Jahre
industrieller Aufbau und soziale Verantwortung in der
deutsch-indischen Zusammenarbeit" - Entwicklungspolitisches
Seminar des Arbeitnehmer-Zentrums Königswinter in Zusammenarbeit
mit der Adivasi-Koordination vom 22. - 24. September 2006 in
Königswinter - Information in Website eingestellt: September 2006
F) Gedenktag der Koel Karo-Bewegung in
Tapkara/Jharkhand am 2. Februar 2006 - Spendenaufruf der Gossner
Mission: Unterstützung einer alternativen Entwicklung am Koel
Karo - Information in Website eingestellt: Februar 2006
G) 277 Adivasi-Dörfer in Indien sollen dem
Polavaram - Projekt weichen - Information in Website eingestellt:
Dezember 2005
H) Gedenkfeiern im Jahr 2005: 150 Jahre Santal Hul (Santal-Rebellion)
- Information in Website eingestellt:
September 2005
50 Jahre Stahlproduktion:
Was passierte mit den Adivasi von Rourkela? Materialsammlung zum
bekanntesten Projekt der deutsch-indischen
Entwicklungszusammenarbeit erschienen
Rourkela – eine Stadt 400 Kilometer
westlich von Kalkutta. Ein durchaus bekannter Name in
Deutschland, nachdem dort vor ziemlich genau 50 Jahren eines der
größten deutschen Entwicklungsprojekte verwirklicht wurde. Wo
sich vorher eine "unbekannte Wellblechstation an der
einspurigen Eisenbahnlinie von der bengalischen Hafenstadt
nach Bombay" (Hans Walter Berg) befand, steht heute ein riesiges
Stahlwerk und eine dieses umgebende Großstadt mit rund 400.000
Einwohnern. In diesem Teil des Bundesstaates Orissa lebten vor
50 Jahren fast ausschließlich Adivasi. Heute ist der
Adivasi-Anteil im Sundargarh-Distrikt, zu dem Rourkela gehört,
auf 50 Prozent geschrumpft. In den vergangenen fünf Jahrzehnten
wurde dieses Großprojekt aus verschiedenen Blickwinkeln
betrachtet – etwa die volkswirtschaftliche Perspektive, bei der
die von Nehru propagierte Politik des forcierten Aufbaus einer
Industrie im eigenen Lande im Mittelpunkt stand oder die in
Schulbüchern beliebte städtebauliche Betrachtung der Entstehung
urbaner Siedlungsstrukturen in einem ländlichen Gebiet. Daß in
dem Gebiet Ureinwohner lebten, wurde zwar im Sinne von
"exotisch" und "primitiv" registriert. Ihr Schicksal in Form von
Vertreibung und Entwurzelung wurde jedoch wohl als "Preis des
Fortschritts" stillschweigend hingenommen.
Als Begleitmaterial für eine
angestrebte kritische Aufarbeitung des Projekts Rourkela (vgl.
Adivasi-Rundbrief Nr. 25, August 2005) ist nun eine Textsammlung
erschienen, welche Informationen mit Fokus auf die
ursprünglichen Bewohner des Stahlstandortes bietet. Die Texte
und Dokumente sind in vier große Teile aufgegliedert: Der erste
Teil besteht überwiegend aus offiziellen Verlautbarungen, in
welchen die Enteignung des Landes dokumentiert und
gerechtfertigt wird. In diesem Teil sind auch die
Protestschreiben der vertriebenen Dorfbewohner enthalten,
darunter der wohl erste Appell vom 3. Februar 1959 an den
Präsidenten der Republik Indien. Noch heute, fast zwei
Generationen später, kämpfen Adivasi von Rourkela und Umgebung
um eine angemessene Entschädigung. Nach dem dokumentarischen
Teil I finden sich im Teil II Analysen und Interpretationen,
unter anderem ein Auszug aus der Studie von 1963 "Rourkela –
Sozio-ökonomische Probleme eines Entwicklungsprojekts" des
deutschen Soziologen Jan Bodo Sperling. Aus dem Umfeld der
aktuellen Widerstandsbewegung werden zwei längere Beiträge
wiedergeben. In Kontrast dazu steht eine glorifizierende Rede,
die der Direktor des Stahlwerkes im Jahr 2005 vor der
deutsch-indischen Handelskammer in Mumbai gehalten hat. Daß
Rourkela kein einmaliger Betriebsunfall war und daß man in den
vergangenen fünf Jahrzehnten kaum dazugelernt hat, zeigt der
dritte Abschnitt der Sammlung: Hier werden aktuelle
Entwicklungen nachgezeichnet, in denen Adivasi Opfer von
"Entwicklung" wurden, etwa das Massaker an Adivasi in Kalinga
Nagar/Orissa im Januar 2006 (vgl. Adivasi-Rundbrief Nr. 26, Mai
2006). Hierbei ging es um ein zukünftiges Firmengelände des
Stahlunternehmens TATA. Im vierten Teil der Materialsammlung
werden schließlich wichtige Texte aus dem internationalen Recht
dokumentiert, welche zur Wahrung der Rechte indigener Völker
beitragen sollen. Dazu gehört unter anderem die erst Ende Juni
2006 vom UN-Menschenrechtsrat verabschiedete "Erklärung über die
Rechte Indigener Völker".
Adivasis of
Rourkela. Looking Back on 50 Years of Indo-German Economic
Cooperation.
Documents -
Interpretations - International Law.
Edited and published
by sarini and Adivasi-Koordination in Germany 2006 (sarini
Occasional Papers, No. 4).
Erhältlich gegen eine Spende von mindestens 5 Euro bei:
Johannes Laping, Christophstr. 31, 69214 Eppelheim, Tel.
06221-766 557, Fax 766 559, sarini-jl@gmx.de. Kostenloser
Download hier (Dateiumfang
1,9 MB). Dokumentation über die Fachtagung an sich
hier
Hans Escher
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht in der
Zeitschrift MEINE WELT. Zeitschrift des Deutsch-Indischen
Dialoges. September 2006.
Die Kolhan-Region (Jharkhand)
im Widerstand gegen neue Industrieprojekte
Die südöstlichen
Distrikte des Bundesstaates Jharkhand - West Singhbhum, Ost
Singhbhum und Saraikela-Kharsawan – sowie angrenzende Gebiete im
Nachbarstaat Orissa sind auch unter dem Namen Kolhan bekannt.
Dies ist die Heimat der Ho-Adivasis, die sich bereits in der
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Enteignung und Ausbeutung
durch die britische Kolonialmacht widersetzt hatten. Diese immer
wieder umkämpfte Region ist sehr reich an wichtigen Ressourcen
für die Industrie: Holz aus den ausgedehnten Wäldern,
Hydroenergie aus den zahlreichen Flüssen in dem bergigen Land,
im modernen Zeiten vor allem Bauxit, Eisenerz und Uran. Hier
sind die Industriestadt Jamshedpur mit dem Stahlwerk des
indischen Großunternehmens Tata, Erz- und Kohle-Minen sowie auch
die sich derzeit im weiteren Ausbau befindlichen Uran-Minen, aus
denen der Stoff für die indische Atombombe kommt.
Vor allem
aufgrund der reichen Erzvorkommen haben in jüngerer Zeit
zahlreiche indische und auch internationale Unternehmen
Planungen für mittlere und größere Industrieprojekte genau in
dieser Region unternommen. Und sie werden darin von der
Landesregierung des erst Ende 2000 – vorgeblich als
Adivasi-Bundesstaat - geschaffenen Jharkhand noch ermuntert. Die
Adivasi-Organisation BIRSA dokumentiert seit einiger Zeit diese
Entwicklungen und hat aus Pressemeldungen über entsprechende
„Memorandums of Understanding“ eine Liste mit über 40 solcher
Projekte erstellt. Eine ähnliche Liste hat die Landesregierung
von Orissa sogar veröffentlicht (beide Listen sind abgedruckt in
dem Materialband „Adivasis of Rourkela“, vgl. Zusammenfassung in
diesem Heft).
Die Adivasis in
der Region haben von diesen Entwicklungen keinen Vorteil. Sie
verlieren – oft ohne jegliche Entschädigung – die für ihre
subsistenzorientierte Wirtschaftsweise und ihr Überleben
notwendigen Ressourcen Land, Wald und Wasser und sind den
negativen Auswirkungen der Industrialiserung ausgeliefert:
Umweltzerstörung, Marginalisierung, Verlust der Identität und
der Kultur. Gerade in den Erzgebieten von Kolhan wurden in den
letzten Jahrzehnten aufflammende Proteste der Adivasis immer
wieder gewaltsam unterdrückt. Angesichts der zahlreichen neuen
Industrieprojekte – die schöne Benennung „green field industries“
kann nur als bitterster Zynismus begriffen werden - steigen die
Befürchtungen, aber es erwacht auch der alte Widerstandsgeist
neu.
Unabhängig von
politischen Parteien haben sich regionale Adivasi-Organisationen
dazu geäußert und z.T. neue Bündnisse mit lokalen
Widerstandsgruppen geschlossen, wie die im Oktober 2005
gegründete „Macha Kumuti“. Der Name wurde entsprechend der
Tradition der Ho-Adivasis gewählt und bedeutet einfach
„Zusammenkommen unter dem Kumuti-Baum“. Am 10. November 2005
erklärte Macha Kumuti bei einer Kundgebung in Chaibasa, dass sie
gegen die Absichten der Regierung sei, es denjenigen
Industrieunternehmen und multinationalen Firmen noch leichter zu
machen, welche die reichen Bodenschätze der Region ausbeuten und
dort ihre Anlagen errichten wollen. Niemand, der ein Abkommen
mit der Regierung von Jharkhand schließe, werde auch nur einen
Zoll breit Land erhalten, um Industrieanlagen zu errichten.
„Wir geben ihnen Land einzig für ihren Friedhof.“ Die
Versammlung rief dazu auf, den Zugang zu den Orten zu
blockieren, an denen die feierliche Grundsteinlegung durch die
Landesregierung am Vorabend des Jharkhand-Tages (14. November)
geplant war. Macha Kumuti verabschiedete zudem einen
Protestbrief an den indischen Staatspräsidenten, in dem die
Rechte der Adivasis hervorgehoben und die Vorgehensweise der
Regierung kritisiert wird.
Protestschreiben von Macha Kumuti an den indischen
Staatspräsidenten (Auszüge)
“Wir, die
Adivasis/Mulvasis [d.h. die Ureinwohner] protestieren gegen den
Landerwerb für große Industrieanlagen und Bergbauprojekte aus
folgenden Gründen:
1. Das angestammte Land der Adivasis ist eine Gabe der Natur – lange
bevor Staat und Regierung entstanden sind. Aus diesem Grund kann
das Land nicht enteignet werden. Nach dem Brauch und der Praxis
der Adivasis ist das Land nicht individuelles, sondern
gemeinschaftliches Eigentum. Deshalb ist ihr Land nicht
erwerbbar.
2. Für die 41 großen und kleineren Projekte im Kolhan-Bezirk, die
zwischen der Regierung und der Industrie beschlossen wurden, ist
keine Zustimmung des Beratungsgremiums der Stämme (Tribal
Advisory Council) eingeholt worden. Dieses Beratungsgremium der
Stämme wurde nach der V. Zusatz der indischen Verfassung
eingerichtet. Daher verstoßen alle diese geschlossenen
Vereinbarungen gegen die indische Verfassung.
3. Nach dem Erlass für die registrierten Stammesgebiete in Bihar aus
dem Jahr 1969, muss alles Land, das durch illegale Methoden von
Nicht-Adivasis erworben wurde, an die Adivasis zurückgegeben
werden. Die Politik dieser selben Regierung, die Adivasis von
ihrem Land zu vertreiben, führt zur Zerstörung der Existenz und
der Identität der Adivasis.
4. Wieso stehen diese großen Industrieprojekte außerhalb des
Geltungsbereichs des berühmten „Samata“-Urteils [über den
Vorrang der Stammesrechte] des Obersten Gerichtshofes aus dem
Jahr 1997? Und wieso hat die Regierung ihre ganze Kraft dafür
eingesetzt, um das Land für diese Industrieprojekte zu erwerben?
5. Nach Artikel 50 Absatz 7 des Chota Nagpur Tenancy Act von 1908
[über die Landrechte der Adivasi] hat der zuständige Beauftrage
nicht das Recht, irgendwelche Teile des Landes zu erwerben, die
Gottheiten geweiht sind, an denen traditionelle Zeremonien
durchgeführt oder die Toten bestattet werden. In allen Dörfern,
wo jetzt das Landerwerbsverfahren im Gange ist, existieren
solche heiligen Orte, wie sie in dem Gesetzesartikel genannt
sind.
6. Diesen gesetzlichen Vorschriften zufolge ist der Landerwerb
ohne die schriftliche Zustimmung des Eigners verboten. Unter
vollständiger Missachtung dieser Vorschriften hat der
Staatssekretär des Industrie-Ministeriums dem
Bezirksbeauftragten Weisung gegeben, den Unternehmern Land zur
Verfügung zu stellen.
7. Nach Artikel 4, Absatz (i) des PESA Act von 1996 [über die
Selbstverwaltung in den Adivasi-Gebieten; vgl. Adivasi-Rundbrief
Nr. 23, März 2005] muss vor dem geplanten Landerwerb für
Projekte verschiedener Art die Gram Sabha [=
Dorfvollversammlung] konsultiert werden. Das Verstoßen gegen
diese Regelung ist zum besonderen Kennzeichen dieser Regierung
geworden.
8. In der von der Regierung verkündeten ‚Nationalen Politik für die
Stämme’ wird die Enteignung angestammten Landes bei den
registrierten Stämmen als Verstoß gegen den V. Zusatz zur
Verfassung bezeichnet.
9. Die früheren Zusicherungen der Regierungsstellen haben nach dem
Abschluss der Vereinbarungen [mit der Industrie] überhaupt
keinen Wert, wie aus dem Folgenden hervorgeht:
- Infolge von Entwicklungs- und Industrieprojekten, die seit der
Erlangung der Unabhängigkeit [1947] auf unserem Land
durchgeführt wurden, ist unser Bevölkerungsanteil von 70 Prozent
auf 21 Prozent gesunken. Wenn jetzt noch die 41 angekündigten
Industrieprojekte realisiert werden, werden wir vollständig
ausgelöscht werden.
- Bei früheren Industrieprojekten haben Hunderttausende, die vertrieben
wurden, keine Entschädigung erhalten. Laut einer Untersuchung
des Indian Social Institute, New Delhi, sind 600.000 Menschen in
keiner Weise und an keinem Ort rehabilitiert worden.
- Nach einem Bericht des Indian Bureau of Mines aus dem Jahr 1974, ist
im Kolhan-Bezirk infolge von 40 kleineren und größeren
Industrieanlagen und von 300 Bergbau-Projekten die Anzahl der
Städte von 4 auf 24 gestiegen.“
Veröffentlicht in ‘Khan Khanij aur Adhikar’, der
Hindi-Zeitschrift des Jharkhand Mines Area Coordination
Committee (JMACC), December 2005. Übersetzung: Johannes Laping.
Der gesamte Artikel wurde erstmals veröffentlicht in der
Zeitschrift SÜDASIEN, Nr. 2-3/2006
Rourkela und die Folgen.
50 Jahre industrieller Aufbau und soziale Verantwortung in der
deutsch-indischen Zusammenarbeit - Eine kritische
Bestandsaufnahme.
Entwicklungspolitisches Seminar des
Arbeitnehmer-Zentrums Königswinter (AZK) in Zusammenarbeit mit
der Adivasi-Koordination Deutschland vom 22.-24. September 2006
in Königswinter
Als Informationsgrundlage für dieses
Seminar hat die Adivasi-Koordination umfassende Informationen in
englischer Sprache zusammengestellt: sarini und
Adivasi-Koordination in Deutschland,
Adivasis of Rourkela. Looking
back on 50 Years of Indo-German Economic Co-operation. Documents
- Interpretations - International Law, sarini occasional
papers no. 4, 2006, 184 S., 1,9 MB
Gedenktag der Koel
Karo-Bewegung in Tapkara/ Jharkhand am 2. Februar 2006
Am 2. Februar des Jahres 2001 erschossen
Polizisten acht Aktivisten des Koel Karo Jan Sangathan (KKJS)
bei einer Demonstration gegen den Abriss einer von dieser
lokalen Widerstandsbewegung errichteten symbolischen Barrikade.
Auf den Tag genau fünf Jahre später fanden am Ort des Geschehens
in Tapkara, Distrikt Ranchi, Jharkhand, Feierlichkeiten im
Gedenken an die Opfer statt.
Während in den letzten Jahren noch an drei
aufeinander folgenden Tagen der Tragödie gedacht und der
erfolgreiche Widerstand der Adivasi gegen das geplante
Staudammprojekt gefeiert wurde, wurden die Feierlichkeiten in
diesem Jahr lediglich an einem Tag begangen. Wie in den
vergangenen Jahren wurden diese mit einer Andacht und
Kranzniederlegung an den Gräbern der getöteten Aktivisten
eingeleitet, woraufhin ein Demonstrationszug durch Tapkara
folgte. Anschließend versammelten sich die Teilnehmer auf dem
Dorfplatz, wo Gäste und Aktivisten der Bewegung Ansprachen
hielten.
Auf besonders starke Kritik stieß die
Einladung von Enos Ekka – dem Landes-Minister für ländliche
Entwicklung und Transport – als Ehrengast zu den Feierlichkeiten
durch den KKJS. Viele soziale AktivistInnen und
UnterstützerInnen der Bewegung blieben dem Gedenktag
vollständig, einige den anschließenden Reden fern, um ihren
Protest gegen das Erscheinen des Ministers auszudrücken. Der der
Jharkhand-Partei (JP) angehörende Politiker versprach in seiner
Rede, sich während seiner Amtszeit für die endgültige Schließung
des Projektes starkzumachen und sich beim Innenminister
Jharkhands und den zuständigen Justizbehörden für eine Aufhebung
der Gerichtsverfahren, die weiterhin gegen AktivistInnen des
KKJS bestehen, einzusetzen. Weiter gab Enos Ekka den Bau eines
Denkmals in Erinnerung an die Koel Karo-Bewegung bekannt und
erklärte, für die Familien der am 2. Februar 2001 Getöteten den
Bau von Häusern zu finanzieren. Kritiker hinterfragen jedoch den
Sinn dieses Vorhabens, da die betroffenen Familien bereits
Häuser besitzen, und erachten die Unterstützung anderer Projekte
für die Region als notwendiger. Anschließend legte Enos Ekka
den Grundstein für den Bau einer von der Regierung finanzierten
Gemeinschaftshalle in Tapkara.
Die Beweggründe für die Einladung des
Ministers durch vor allem jüngere führende Mitglieder des KKJS
wurde von UnterstützerInnen der Bewegung in Interviews und
Gesprächen unterschiedlich gesehen. So erklärten einige, dass
vor allem die Aufhebung der Gerichtsverfahren im Vordergrund
gestanden hätte, andere, dass vor allem jüngere Aktivisten der
Bewegung nach politischen Ämtern strebten und auch Gelder von
Parteien geflossen seien. Insgesamt ist die Entscheidung zur
Einladung auch innerhalb des KKJS sehr kontrovers diskutiert
worden.
Der Rede Enos Ekkas folgten weitere
Ansprachen von KKJS-Mitgliedern, in denen die zukünftige
Entwicklung der Region angesprochen, aber auch die Anwesenheit
des Ministers verurteilt wurde. Insgesamt nahmen aber mit etwa
600 bis 700 Besuchern in diesem Jahr deutlich weniger Menschen
aus der Koel Karo Region an den Feierlichkeiten teil. Die
Aktivistin Dayamani Barla führt dies ebenfalls auf den Missmut
über das Erscheinen des Ministers und dem damit verbundenen
Abweichen von dem Grundsatz, nicht mit Politikern und Regierung
zusammenzuarbeiten (was ein maßgeblicher Faktor für den Erfolg
der Bewegung gewesen war) zurück.
Gegenwärtig stehen in der Koel Karo-Region
Entscheidungen über eine alternative Entwicklung zu dem von der
Bevölkerung verhinderten Staudammprojekt an, wobei noch nicht
vollständig geklärt ist, welche Organisationen von außerhalb –
abgesehen von der Gossner Mission - finanzielle und logistische
Unterstützung geben und welche Vorhaben Priorität haben werden.
Martina Claus,
Sebastian Hartig, Mitglieder der Adivasi-Koordination
Weitere
Informationen: Adivasi-Rundbrief 15; Adivasi-Rundbrief 20
(Porträt von Dayamani Barla) – beide Rundbriefe unter
www.adivasi-koordination.de/rundbriefe
Spendenaufruf der Gossner
Mission: Unterstützung einer alternativen Entwicklung am Koel
Karo
Am Koel-Karo in Jharkhand sollten 256
Dörfer vernichtet, 250.000 Menschen umgesiedelt werden. Doch die
Adivasi wehrten sich, und 13 von ihnen bezahlten ihren
Widerstand mit dem Leben. So konnte das geplante
Staudamm-Projekt, das die indische Regierung und verschiedene
Investoren mehr als 30 Jahre lang verfolgt haben, gestoppt
werden. Nun wollen die Widerständler der Regierung zeigen, wie
nachhaltige und sozialverträgliche Entwicklung am Fluss aussehen
kann. Kleinturbinen, Mühlenantrieb, Felderbewässerung,
Direktvermarktung – all das sind Vorhaben, die die
Bürgerinitiative anpacken will. Außerdem stehen Frauenprogramme
und Themen wie Gesundheit und Alphabetisierung auf dem Plan.
Gossner Mission und Gossner Kirche wollen den Menschen am
Koel-Karo helfen, ihre Ziele in die Realität umzusetzen. Dazu
braucht es zunächst den Einsatz von Experten sowie Versammlungen
und Seminare für Planungen und gemeinsame Initiativen. Mit WIDA
wird dieser Prozess bereits von einer kompetenten ökumenischen
Entwicklungsorganisation unterstützt. Die Gossner Mission will
bei der Projekteröffnung mit 30.000 Euro helfen. Dazu brauchen
wir aber Ihre Mithilfe, liebe Spenderinnen und Spender. Wir
bitten Sie daher:
Unterstützen Sie den Widerstand der
Menschen am Koel-Karo. Helfen Sie mit beim Aufbau eines
nachhaltigen Entwicklungsprogramms!
Unser Spendenkonto:
Gossner Mission
EDG Kiel (Filiale Berlin)
BLZ 210 602 37, Konto 139 300
Kennwort: Koel-Karo
(Spendenaufruf entnommen aus
Information, Zeitschrift der Gossner Mission, 1/2006 -
www.gossner-mission.de)
277 Adivasi-Dörfer in Indien sollen dem
Polavaram - Projekt weichen
Das Projekt im Überblick
… warum der
Widerstand gegen diesen Staudamm?
Vor allem die
Adivasis, ohnehin seit Jahrzehnten vertrieben und benachteiligt
(Besetzung des Landes durch Großbauern von außerhalb, Raubbau
des Waldes), sind betroffen. Sie haben kaum eine Lobby, jedoch
das Gesetz auf ihrer Seite: Im Artikel 5 der Verfassung (73.
Änderung) wird ihnen zugesichert, dass das geschützte Land für
Projekte dieser Art nur mit Einverständnis der Bevölkerung
genutzt werden darf. Im Polavaram-Gebiet wurde dieses
Einverständnis nie eingeholt. Internationale Aufmerksamkeit
könnte den Adivasis zu ihrem Recht verhelfen oder, falls das
Projekt nicht zu verhindern ist, zumindest die katastrophalen
Folgen etwas mildern, indem etwa eine erhöhte Entschädigung
gewährt wird. Außerdem versinkt im Stausee eine einmalige
Naturlandschaft mit schützenswerter Flora und Fauna. Die
ökologische Veränderung der Region ist noch nicht absehbar, aber
mit Sicherheit sehr intensiv.
Godavari-Staudamm
Dieser soll bei
Polavaram im East Godavari District, Andhra Pradesh, errichtet
werden. Ein 1.600 Meter breiter Damm mit 50 Metern Höhe sichert
das Staubecken, das ein Volumen von 2.130 Kubikmeter haben soll.
560 Meter davon beträgt die nicht überflutbare Staumauer mit 58
Meter hohen Sockeln für Generatoren. Zwei Hauptkanäle (208 km
und 174 km lang) verbinden das Krishna-Kanalsystem und führen
bis Vijayavada. Die Bauzeit soll 12 Jahre betragen.
Godavari-Stausee
Bis
Bhadrachalam (Khammam District) soll der Rückstau reichen. Am
Flussbett gelegene Gebiete, ebenfalls aber auch jene in den
Seitentälern (am Sabari bis nach Madhya Pradesh und Orissa) und
jene in Niederungen, werden überschwemmt. Die folgenden Zahlen
der Regierung sind eher günstig berechnet.
Fläche: 63.691 ha (davon 3.705 ha Wald; 30.650
kultiviertes Land; 12.688 ha nicht
landwirtschaftlich nutzbares Land; 16.648 ha Flussbett)
Menschen: 250 Dörfer (die Presse spricht von 275 bzw.
283); 16.207 Familien, d.h. 144.812 Personen (Presse: bis zu
200.000 Personen). Der Großteil der Bevölkerung sind Adivasi vom
Volk der Koya.
Gebäude: 1.405 feste Häuser; 2.300 teilmassive
Häuser; 19.390 Hütten (letztere sind überwiegend von
Adivasis bewohnt). Hinzu kommen diverse Tempel und kulturell
schützenswerte Gebäude
Finanzierung
Das Projekt
soll rund 135 Mrd. Rupien (2,6 Mrd. Euro) kosten. Als
Entschädigung für Häuser sind gemäß Angaben Betroffener 10.000
Rs. (188 Euro) vorgesehen. Für die Umsiedlung und für
Entschädigungen soll fast die Hälfte des Geldes eingesetzt
werden.
Umsiedlung
Die betroffenen
Dörfer sollen im Nahbereich umgesiedelt werden. Es werden unter
anderem Häuser und Land in Aussicht gestellt. Allerdings: Wer
die Umgebung kennt, weiß, dass dort entweder schon alles
besiedelt ist oder aber der geschützte Wald gerodet werden
müsste.
Geschichte
Schon die
Engländer planten einen solchen Stausee. In den 1980er Jahren
wurden wiederum Pläne gemacht, die jedoch am Geld und
politischen Interessen scheiterten. Der Planung liegt eine
Studie von 1999 zugrunde. Das Oberste Gericht von Andhra Pradesh
hat Ende Oktober 2005 grünes Licht zum Baubeginn gegeben. Die
Menschen sind nicht oder wenig informiert. Der Widerstand
beginnt erst langsam: Durch die Betroffenen, unterstützt von der
Kommunistischen Partei (CPI ) und seit Ende Oktober 2005 durch
die Aktivistin Medha Patkar als Anführerin der Bewegung
Narmada Bachao Andolan (NBA). Auch einige Kulturverbände
erheben Einspruch wegen der Zerstörung alter Tempel. Von einer
internationalen Aufmerksamkeit ist bisher nichts bekannt. Vor
allem der Bundesstaat Andhra Pradesh treibt das Projekt voran.
Hermann Brünjes
(HBruenjes@t-online.de)
07.11.05
Quelle:
National Development Agency (http://nwda.gov.in)
und verschiedene Zeitungs- und Augenzeugenberichte Das Projekt
im Detail
Wir befinden uns im Bundesstaat Andhra
Pradesh am Unterlauf des Flußes Godavari, einem der großen
Ströme Indiens. Im Osten, dort wo die Berge eine letzte Enge
bilden, 15 km vor der Großstadt Rajamundhry im East Godavari
District, nahe dem Ort Polavaram , soll ein riesiger Staudamm
gebaut werden. Ein 1.600 m breiter Damm mit 47 m Höhe sichert
das Staubecken (2.130 m³). 560 m davon beträgt die nicht
überflutbare Staumauer mit 58 m hohen Basisstationen für die
Generatoren zur Energiegewinnung. Zwei Kanäle sollen gebaut
werden: Der rechte Hauptkanal verbindet den Godavari mit dem
Kanalsystem des Krishna und führt bis Budameru nahe der
Großstadt Vijayawada. Dieser Kanal soll 174 km lang und teilweise
80 m breit sein. Er soll so viel Wasser aufnehmen, daß er sogar
für Frachtschiffe schiffbar wird. Der linke Hauptkanal mit
seinen 208 km soll vor allem der Bewässerung der nördlichen
ländlichen Gebiete und der Küstenregionen dienen und Trinkwasser
liefern. Durch eine Verbindung mit dem Yeleru-Kanal soll er
außerdem Wasser für die Industrieanlagen dieser Region liefern.
Die Laufzeit des Projektes soll 12 Jahre betragen. Man
verspricht sich die Gewinnung neuer Ackerflächen (29.100 ha),
Versorgung der bestehenden Landwirtschaft mit Wasser,
Trinkwasserversorgung für ca. 285.000 Menschen, Wasserversorgung
für Industrie und Großstädte (z.B.Vishakapatnam), Stromerzeugung
(960 MW) und neue Verkehrswege.
Die Entstehung
Obwohl international bisher kaum
wahrgenommen, bestanden Pläne für einen großen Staudamm schon
seit über 25 Jahren. Wiederholt wurden diese unter verschiedenen
Namen diskutiert (Indirasagar, Godavari Srijala Sravanti,
Sriramapada Sagar). Nachdem die Kongress-Partei im Mai 2004 im
Bundesstaat Andhra Pradesh wieder den Regierungsauftrag bekam,
wurden die Pläne gemeinsam mit 26 anderen Projekten zur
Wasserversorgung wieder hervorgeholt und deren Umsetzung
beschlossen. Beim Polavaram -Projekt wurde sogar mit dem Bau am
rechten Kanal begonnen, obwohl die Genehmigungen noch nicht
vorlagen. So verhängte der Oberste Gerichtshof von Andhra
Pradesh einen Baustopp. Ende Oktober 2005 wurde dieser wieder
aufgehoben, da die geforderten Gutachten angeblich vorlagen. So
verkündete der Ministerpräsident R.Reddy am 27. Oktober 2005 der
Presse, dass alle Hürden für das Projekt genommen seien. Die
Kanalbauten gehen seitdem weiter.
Die Finanzierung
Die Regierung schätzte die Kosten des
Projektes zunächst auf 2,131 Mrd. US-Dollar, der
Ministerpräsident nannte kürzlich die Summe von 4,590 Mrd.
US-Dollar und kritische Untersuchungen (z.B. der Bericht der
Nichtregierungs-Organisation Samatha) sprechen von bis zu 50%
Kostenübersteigung wie bei solchen Projekten üblich. Die
Finanzierung ist offenbar alles andere als gesichert. Andhra
Pradesh sucht immer noch ausländische Geldgeber. In Indien
selbst werden Kredite mit mindestens 7%, meist jedoch 12%
verzinst. Allein um die Zinsen zu zahlen, müsste die Regierung
einen jährlichen Betrag einsetzen, der dem Haushalt des
Bildungs- und Gesundheitswesens entspricht – bei einer äußerst
knappen Finanzlage dieses Bundesstaates. Im Frühjahr bereiste
eine Delegation aus der Landeshauptstadt Hyderabad Europa und
versuchte, Geldgeber zu finden. Angeblich soll eine
österreichische Bank mit einer Kredithöhe von 4,9% und der
Zusage der Mitarbeit am Projekt gewonnen worden sein. Recherchen
dazu in Österreich verliefen jedoch negativ. Auch die Weltbank
hat offenbar noch keine Mittel zugesagt. So bleibt die
Finanzierung eine der Achilles-Fersen des Projektes – was die
indische Bundesregierung nicht davon abhält, mit dem offenbar
auch als Prestigeprojekt angesehenen Polavaram -Projekt zu
beginnen.
Der Stausee
Erschreckend, wie wenig die ersten Konzepte
der von der Regierung eingesetzten National Water Development
Agency [oberste Behörde zur Entwicklung der Wasserressourcen]
über die Folgen des entstehenden Stausees hergeben. Auf der
mitgelieferten Karte ist dieser See nicht einmal ausgewiesen.
Immerhin werden ein paar Zahlen genannt. Danach sollen 63.691 ha
überschwemmt werden. Davon sind 3.705 ha Wald, d.h. der
Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen wird vernichtet, das
ohnehin in Indien durch Raubbau des Waldes zerstörte Ökosystem
wird weiter belastet und die Adivasis verlieren noch mehr von
ihrem ursprünglichen Lebensraum.
Hinzu kommen 30.650 ha kultiviertes Land.
Dieses ist zumeist in Händen von Großgrundbesitzern, die dort
zum Teil in der zweiten oder dritten Generation leben und deren
Eltern oder Großeltern es sich meist widerrechtlich von den
Adivasis angeeignet haben. Letzteres ist auch der Grund, dass
sie nun der Regierung nicht widerstehen können, da zumeist keine
gültigen Besitzurkunden vorliegen. Dennoch ist damit zu rechnen,
dass diese Farmer am großzügigsten entschädigt werden, da sie in
der Regel über gute Beziehungen zu den Behörden verfügen. Der
Verlust dieses Landes trifft die Adivasis jedoch heftig: Sie
verlieren landwirtschaftliche Fläche, auf der sie Arbeit finden
und sie verlieren das rechtlich ihnen zustehende Land, auf dem
sie in kleinen und großen Dörfern zuhause sind.
12.688 ha sind nicht kultivierbares Land.
Viele dieser Flächen sind jene, die von den Adivasis für ihre
nur während der Regenzeit gedeihenden Felder mit Hirse und
anderen Trockenfrüchten genutzt werden. Dazu gehören dann auch
jene oft bis in die Berge hinein reichenden Flächen, die wegen
des wertvollen Holzes einst ausgebeutet und nun nur noch mit
Baumstümpfen, Gestrüpp und trockenem Gras bewachsen sind.
Immerhin dienen gerade diese Flächen den Adivasis als
Weidefläche für ihre Rinder, Schafe und Ziegen. Der Rest, 16.648
ha, betrifft das Flussbett. Vom Fluss selbst profitierten bisher
vor allem die Fischerfamilien, die gemäß ungeschriebenem Recht
als einzige den Fischfang betreiben dürfen. Ein See würde ihnen
wohl auch Möglichkeiten eröffnen, die Adivasis jedoch werden,
entgegen den Verlautbarungen der Regierung, daran nicht
teilhaben, da sie solche alten Rechte auf Lebensgrundlagen
respektieren. Da der See sich über einen Nebenfluss des Godavari,
den Sabari, bis in die Nachbarstaaten Orissa und Chhattisgarh
erstreckt, wurden mit deren Regierungen bereits Vereinbarungen
ausgehandelt, die hohe Entschädigungen, Stromlieferungen und
Wasserversorgung beinhalten. Bei einer 47 m hohen Staumauer ist
damit zu rechnen, dass der See sich bis nach Bhadrachalam
erstreckt und insgesamt 5,5 Mrd m³ Wasser enthält. Somit würde
er über 150 km lang sein und sich zudem in viele durch
Nebenflüsse und –bäche entstandene Täler erstrecken. Vor allem
das Tal des Sileru mit weiten Ackerflächen und vielen Dörfern
würde überschwemmt werden. Wenn stimmt, was Gerüchte verbreiten
und was selbst in dieser Region schon bei kleineren Projekten
kalkuliertes Vorgehen war, soll die Staumauer nachträglich noch
erhöht werden. Dies würde weitere Flächen überschwemmen.
Umsiedlungen
In den letzten 50 Jahren wurden durch
Staudammprojekte weltweit 40-80 Millionen und in Indien 16-38
Millionen Menschen (schätzungsweise) aus ihrer Heimat
vertrieben. Selbst wenn dies zur Versorgung der Bevölkerung
insgesamt akzeptabel wäre - noch nie sind die Zusagen der
Regierungen wirklich eingehalten worden. Adivasis und Dalits in
Indien machen nur 8% der Bevölkerung aus und sind meist die
Ärmsten der Armen. Bei Projekten wie diesem jedoch müssen sie zu
über 60% die Folgen tragen. Die Zahlen der Menschen, die für das
Polavaram -Projekt umsiedeln müssten, schwanken sehr. Die
Regierung spricht zuletzt (Bericht vom September 2005) von
177.275 Menschen in 277 Dörfern (Zählung 2001, also ist das
Bevölkerungswachstum nicht berücksichtigt); Pressemitteilungen
und kritische Recherchen nennen bis zu 200.000 Menschen in 283
Dörfern, die umgesiedelt werden müssten. Dabei sind nur jene
aufgeführt, die Haus, Hof und Land verlieren. Insgesamt werden
durch das Polavaram -Projekt 81.722 Adivasis (52,9%) und 15.757
Dalits (10,2%) umgesiedelt, also sogar mehr als bei anderen
Staudammprojekten.
Die Besitzer von 1.405 feste Häuser sollen
entschädigt werden. Es ist davon auszugehen, dass diese vor
allem reichen Leuten und eventuell Institutionen gehören. 2.300
Häuser sind teilmassiv. Auch sie werden vor allem gut gestellten
Familien zuzurechnen sein. Darüberhinaus müssen 19.390 Hütten
aufgegeben werden. Diese, also der weitaus größte Teil, sind
primär von Adivasis bewohnt. Das größte der umzusiedelnden
Dörfer ist Chintur mit 36.769 Einwohnern.
Angeblich soll mehr als die Hälfte der
Kosten auf die Umsiedlung und Entschädigung der betroffenen
Bevölkerung entfallen. Der Ministerpräsident spricht von einer
noch nie da gewesenen großzügigen Entschädigung. Betroffene
allerdings erzählen, dass sie für ihre Hütte (sie nennen es
Haus!) mit dem Grundstück lediglich 10.000 Rupien (knapp 200 €)
bekommen sollen. Doch selbst wenn die Entschädigungen angemessen
wären – wohin sollen die Menschen umsiedeln? Angeblich sind
schon Pläne vorhanden. Danach sollen die Dörfer komplett in
ortsnahe Gebiete umgesiedelt werden. Ich kenne die Gegend sehr
gut und habe sie vor Jahren mangels brauchbarer Karten selbst
kartographiert. Wo soll Platz für so viele Menschen sein – die
auch Land brauchen und Arbeit? Das kultivierte Land ist besetzt,
das Brachland unfruchtbar, der Wald gesetzlich geschützt. Oder
will man Wald roden? Abgesehen von den ökologischen Schäden und
der nötigen Gesetzesänderung, müsste man auch die Baumstümpfe
entfernen, die Wasserversorgung und Infrastruktur sichern usw.
Wer soll das bezahlen? Ich bin sicher, dass die Menschen mit
allem weitgehend allein gelassen würden. Die Regierung will neue
Dörfer aufbauen. Ich nehme an mit den typischen Ziegelhäusern
der Regierungshilfe, schön uniform – jedoch für
Adivasi-Ansprüche nicht geeignet. Unzählige solcher Häuser
stehen unbewohnt herum. Sie sind aus Sicht der Stammesleute
schlecht belüftet und zu feucht. Die Koyas ziehen in der Regel
ihre mit Holz und Dung bzw. Lehm gebauten und mit Blättern oder
Gras gedeckten Häuser denen von der Regierung gestellten vor.
277 Dörfer – wer die Gegend kennt, schüttelt den Kopf. Wo sollen
die ortsnah je wieder aufgebaut werden?
Was noch versinkt? Die erst in den letzten
Jahren entstandenen Schulen, kleine Hospitäler und
Medizinstationen, Kirchengebäude und Tempel. Letztere wurden zum
Teil erst kürzlich errichtet. Die Hindupartei BJP hatte dafür
gesorgt, dass sogar in Koyda ein Tempel errichtet wurde. Das
Geld dafür wurde über die ITDA (Integrated Tribal Development
Agency) bereitgestellt, die es eigentlich für die Entwicklung
der Stammesbevölkerung ausgeben sollte. Nun, jetzt werden auch
diese kleinen Kunstwerke versenkt, dazu auch jener
multireligiöse Tempel in Perentapalli, nur wenige Schiffsminuten
von Koyda entfernt.
Die rechtliche Lage
Die rechtliche Lage, vor allem die
Landgesetze sind kompliziert. Das von den Adivasis bewohnte Land
gehört niemandem direkt, also kann der Staat darüber verfügen.
Allerdings steht es unter besonderem gesetzlichem Schutz und
kann beispielsweise nicht verkauft werden. So gibt es auch keine
Marktpreise für dieses Land. Wenn der Staat ein Projekt
durchführen will und dazu Land einsetzt, muss er die Zustimmung
der örtlichen Behörden und Adivasi-Vertretungen einholen (Art.5
der Verfassung in der 73. Erweiterung [Amendment]). Das Gesetz
verlangt außerdem eine umfassende Informationspflicht. Beides
ist bisher nicht geschehen. Selbst die ITDA in Bhadrachalam und
andere Institutionen in dieser Region haben die Informationen
bis zum Sommer 2005 nur aus der Zeitung bekommen.
Die sich am Markt orientierenden Landpreise
unterhalb des Staudammes sind inzwischen bereits enorm gestiegen
(was bei der Finanzierung noch nicht einberechnet wurde!). Die
Preise für das zu entschädigende Land im Stauseebereich kann
der Staat eigenständig festlegen, da dieses Land ja nicht
verkäuflich und es dafür folglich gesetzlich keinen Markt gibt.
Also setzt der Staat möglichst niedrig an. Wieder werden
besonders die vertriebenen Adivasis die Verlierer sein, selbst
wenn sie eine ordentliche Abfindung bekommen. Vor allem gilt
das, wenn sie Land außerhalb der geschützten Flächen zugewiesen
bekommen. Dann ist dieses neue Land dem Zugriff der
Nicht-Adivasis ausgesetzt und der gesetzliche Schutz greift
nicht mehr. Für die Umsiedlung gibt es eine von der
Landesregierung von Andhra Pradesh 2005 verabschiedete
Richtlinie (Resettlement and Rehabilitation Policy). Sowohl für
die Waldgebiete, die dem Stausee zum Opfer fallen, als auch für
Wald, der für die verlegten Dörfer gerodet wird, muss das
Schutzgesetz für „reserved forest“ angewandt werden. Auch hier
ist ein Ansatzpunkt für den Widerstand.
Der Widerstand
Unter anderem aufgrund von Berichten von
Umweltbehörden hat der Oberste Gerichtshof für den Weiterbau des
Projektes grünes Licht gegeben. Diese werden jedoch von den
Gegnern des Projektes in Frage gestellt und als völlig
unzureichend bezeichnet. Selbst das Delta des Godavari und
dessen Flora und Fauna sei betroffen und darüber gebe es noch
keine Untersuchungen. Außerdem werden Studien über langfristige
Folgen für die Bevölkerung der neu besiedelten Gebiete und deren
Infrastruktur gefordert. Unterdessen arbeitet die Regierung in
Hyderabad engagiert an der Umsetzung, von den beiden Parteien
TDP (Telugu Desam Party) und BJP (Bharatiya Janata Party).
Allerdings hat sich nach dem 27. Oktober 2005 und der Meldung
"Grünes Signal für Polavaram" der Widerstand verstärkt formiert.
Erst jetzt sind die bis dahin nicht oder kaum informierten
Adivasis selbst aktiv geworden. Die Aktivistin Medha Patkar hat
sich zu Wort gemeldet und ihre Organisationen mobilisiert (Narmada
Bachao Andolam [NBA] und National Alliance of Peoples Movements).
Auch einige Kulturverbände erheben Einspruch, vor allem wegen
der zerstörten Tempelanlagen). Die CPI (Communist Party of India)
bemüht sich um eine starke parlamentarische Opposition und
stellt sich auf die Seite der Adivasis. Kirchliche Institutionen
(Good Samaritan Evangelical Lutheran Church [GSELC]) haben sich
mit der Adivasi Girijana Parishad und anderen kleineren
Stammesorganisationen zusammen getan. In Deutschland sind
inzwischen diverse Organisationen, die sich für Menschenrechte
einsetzen, auf das Projekt aufmerksam geworden. Was noch fehlt
ist eine wirklich umfassende internationale Aufmerksamkeit.
Fazit
Primäres Ziel des Widerstandes ist die
Verhinderung des Polavaram -Projektes. Es gibt Alternativen zu
diesem Großprojekt, wo Ergebnis und Preis (finanziell,
menschlich und ökologisch) nicht in einem derartigen
Missverhältnis stehen. Der Schutz von Minderheiten muss vor
Fortschritt und wirtschaftlicher Entwicklung stehen. Sollte sich
die Regierung von Andhra Pradesh mit dem Projekt jedoch gegen
allen Widerstand durchsetzen, so muß die Öffentlichkeit in
Indien und in aller Welt genügend Druck aufbauen, damit die
Opfer nachhaltig entschädigt und wirtschaftlich abgesichert
werden.
Quellen
The
Feasibility Report of Polavaram , 1999 (National Water
Development Agency)
Samatha Report June
2005 (Samatha ist eine auf dem Feld von Lobbying und "Advocacy"
anerkannte Nicht-Regierungsorganisation) (samatha@satyam.net.in)
Vertraulicher
Bericht für die Regierung vom September 2005 (Agricultural
Finance Corp.Ltd.)
Diverse Zeitungsartikel (z.B.
www.thehindu.com) ab 26.Oktober 2005
Gespräche mit Koya-Adivasi aus der GSELC
Ende Oktober 2005
Recherchen über deutsche Adivasi-Organisationen und im Internet
Kontakt/Autor:
Hermann Brünjes (HBruenjes@t-online.de)
http://www.fmd-online.de/indien/news/polavaram.php
Hermann Brünjes ist tätig beim
Freundeskreis Missionarische Dienste Hanstedt (Niedersachsen),
einer Partnereinrichtung der im Polavaran-Gebiet beheimateten
Good Samaritan Evangelical Lutheran Church.
Stoppt den Polavam-Staudamm
Faltblatt des Kampagnen-Bündnisses, 2006
hier
Gedenkfeiern im Jahr 2005: 150 Jahre
Santal Hul (Santal-Rebellion)
Das ganze Jahr
2005 über werden die indigenen Völker in Jharkhand und anderen
Teilen Indiens das 150. Jubiläum des Hul feiern - der
Bewegung für soziale Gerechtigkeit, die von den beiden
Santal-Brüdern Sido und Kanhu Murmu angeführt wurde. Am 30. Juni
1855 starteten 10.000 Santal aus der heutigen Region Santal
Parganas und andere unterdrückte Menschen eine historische
Revolte gegen die britische Kolonialmacht. Obwohl der Hul
schließlich 1856 brutal niedergeschlagen wurde, zog er einen
dramatischen Wandel in der Kolonialpolitik und ein neues
politisches Bewußtsein unter den Adivasi nach sich, das seither
kontinuierlich zugenommen hat. Dies zeigt sich in den
Forderungen nach politischer und kultureller Autonomie in
Jharkhand, welches im Jahr 2000 als eigener Bundesstaat
errichtet wurde wie auch im zunehmenden Einfordern von
Stammesrechten auf nationaler und internationaler Ebene. Mit
dem "Forum Santal Hul 150" wurde ein Koordinationsgremium
eingerichtet, das aus Mitgliedern der Indian Confederation
of Indigenous and Tribal People (ICITP), aus der All
Santals Association, Delhi und aus dem Centre for World
Environmental History an der Universität Sussex, England
besteht.
http://www.sussex.ac.uk/development/1-4-5-5.html
Der Santal
Hul 1855 - 1857
Der Widerstand
indigener Völker gegen die britische Herrschaft in Indien
begann beinahe unmittelbar, nachdem die East India Company in
vielen Teilen des Landes die politische Macht erlangt hatte.
Die abgeschirmten Lebensräume der Ureinwohner wurden durch
Eindringlinge wie Geldverleiher, Händler und steuerpflichtige
Bauern in ihren Grundfesten erschüttert. Diese Eindringlinge
waren äußerst wichtige Glieder in der Kette der Ausbeutung der
Kolonialherren. Sie waren die maßgeblichen Instrumente, wodurch
die indigenen Gemeinschaften und Völker unter die Kontrolle der
Kolonialwirtschaft gebracht wurden. Seit den ersten Jahrzehnten
des 19. Jahrhunderts hatte die Unzufriedenheit im Gebiet der
heutigen Santal Parganas (Bestandteil des Bundesstaates
Jharkhand) zugenommen. Dies geschah vor dem Hintergrund der
Unterdrückung und Ausbeutung der indigenen Santals durch die
Behörden wie durch die Zuwanderer. In dieser Situation
erwiesen sich Sido und Kanhu Murmu, zwei junge charismatische
Führungspersönlichkeiten, als Hoffnungsträger für die Santals.
Die beiden jungen Männer, die aus dem Dorf Bhognadih im Distrikt
Sahibganj stammten, hatten lange über die von den
Unterdrückern verübten Ungerechtigkeiten nachgedacht. Eine
kleine Episode löste im Juli 1855 einen der stärksten Aufstände
aus, mit denen die britische Verwaltung in Indien je
konfrontiert war. Kurze Zeit zuvor, am 30. Juni 1855, hatte sich
ein große Versammlung von Santals unter der Führung von Sido und
Kanhu Murmu für frei erklärt. Sie schworen, gegen die
ausländischen Herrscher und deren Repräsentanten zu kämpfen.
Die beiden Brüder waren in dieser Stimmung von Enthusiasmus und
Verteidigungs-Bereitschaft, als ein Polizeispion sie am 7. Juli
stellte und sie festzunehmen versuchte. Die wütende Menge
reagierte mit Gewalt und tötete den Polizeispion und dessen
Helfer. Dieses Ereignis löste eine Reihe von Scharmützeln mit
der Armee der East India Company aus und führte schließlich zu
einem regelrechten Krieg.
Unter der
Führung von Sido und Kanhu erzielten die Santals ursprünglich
erhebliche Geländegewinne und erlangten die Kontrolle über
weite Gebiete - von Colgong im Westen bis in die Rajmahal Hills
im Osten und beinahe bis nach Raniganj und Sainthia im Süden.
Das Erreichte konnte jedoch nicht gesichert werden, da das
Militär der East India Company sich als übermächtig erwies. 1856
schließlich unterdrückte die britische Indienarmee den
Aufstand, wobei ein begrenzter Widerstand bis 1857 fortgesetzt
wurde. Man glaubt, dass Sido von den britischen Truppen aufgrund
von Verrat festgenommen wurde und Kanhu bei einem Gefecht in
Uparbanda. Beide wurden in der Gefangenschaft ermordet. Der
Freiheitskampf der Santal (Santal Hul) hatte jedoch eine lange
andauernde Auswirkung: Der Santal Parganas Tenancy Act
[Gesetz zur Sicherung von Adivasi-Landbesitz, Anm. d. Übers.]
war das Resultat dieses Kampfes.
Zusammenfassende Übersetzung aus der Broschüre der indischen
Postverwaltung anläßlich der Herausgabe einer Briefmarke zu
Ehren von Sidho und Kanhu Murmu am 6.4.2002.
Weitere Informationen in: Mathew Areeparambil, Struggle for
Swaraj, A History of Adivasi Movements in Jharkhand, Tribal
Research and Training Centre Chaibasa, Jharkhand, 2002.
Bezug: Johannes Laping, Christophstr.31, 69214 Eppelheim, Tel.
06221-766 557,
sarini-jl@gmx.de. Preis:
12,00 Euro plus Versandkosten.
Santal Hul Forum: Dr D. Mardi, Hon. General
Secretary, All India Santal Welfare and Cultural Society, 16,
Prem Nagar Market, New Delhi, India 110 003, T:
0091-11-24644179,
aiswacs@rediffmail.com Dr. Daniel J.
Rycroft, Centre for World Environmental History (B341), School
of Humanities, University of Sussex, Brighton, U.K. BN1 9QN T:
0044-1273-877654;
D.J.Rycroft@sussex.ac.uk
www.aiswacs.org/Santal/santalhul.htm
|